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Fr 11.10.2019 - 20:00 UHR

HAMBURGER KAMMERSPIELE

MARIAS TESTAMENT

von Colm Tóibín
-deutschsprachige Erstaufführung-
Regie und Ausstattung: Elmar GoerdenMit Nicole Heesters
Eine Mutter erzählt die Tragödie ihres Lebens. Sie erzählt von der Entfremdung, vom grausamen Tod ihres Sohnes und sie erzählt dies alles auf ganz und gar persönliche Weise, aus der Perspektive ihrer eigenen, individuellen Erfahrung. Sie ist, in der Erzählzeit des Romans und Stückes, mittlerweile eine alte Frau, lebt allein in der antiken Stadt Ephesos, hadert mit düsteren Erinnerungen und merkt, dass sie belauert wird. Zwei Jünger Jesu, deren zudringliches Verhalten entfernt an Boulevardjournalisten erinnert, suchen sie in ihrem Haus auf, fragen sie nach den Ereignissen im Leben Jesu aus, die sie doch aus nächster Nähe erlebt haben muss: Die Wunder, die er vollbrachte, den Märtyrertod am Kreuz, den er erlitt, die Wiederauferstehung. All jene Ereignisse also, aus denen in der Überlieferung der Evangelisten der zentrale Teil des Neuen Testaments besteht.
Marias Testament ist eine mutige Kontrafaktur des Neuen Testaments. Aber es ist von seiner Intention und seinem Sinngehalt her kein blasphemischer Stoff. Colm Tóibín nimmt sich lediglich die literarische Freiheit, eine Wahrheit zu erzählen, die sich auf der Rückseite der Bibel ereignet. Es ist die Geschichte einer Mutter, die ihren Sohn nicht beschützen konnte und der somit das Schlimmste geschah, was einer Mutter geschehen kann.
Maria bestätigt den biblischen Sinn dieser Ereignisse keineswegs. Von Erlösung hält sie so wenig wie vom Glauben an die Wiederauferstehung. Sie hält nichts von den Lehren ihres Sohnes, auch nichts von der charismatischen Wirkung, die er zu Lebzeiten auf Menschen ausübte. Auch lange Jahre nachdem Christus am Kreuz gestorben ist, will die Mutter Jesu von der Heiligkeit ihres Sohnesnoch immer nichts wissen. Seinen Wundern gegenüber ist sie skeptisch, und den Schmerz über seinen Verlust hat sie nie verwunden.
Es ist die Geschichte einer Frau, die nicht verstehen will, weshalb ihr Sohn sich von ihr abwandte, und die auch nicht an den christlichen Gott glaubt. Durch ihre Augen eröffnet Colm Tóibín einen völlig neuen Blick auf das Christentum und erschafft ein ungeahnt menschliches Porträt einer Maria, die keine Ikone sein will.

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